Super700 Plattenkritik aus dem SPIEGEL
Feb 05, 2009 in Allgemein
Kann sein, dass der Schlagzeuger Sebastian Schmidt heißt, die Band aus Berlin kommt und sich dann auch noch Super 700 nennt. Aber ohne gleich wie einer dieser ins Alter gekommenen Rockjournalisten klingen zu wollen, die stets hocherfreut sind, wenn sie irgendwie “frischer” oder “frecher” deutscher Musik aus dem Nachbardorf “internationales Niveau” bescheinigen dürfen: Dieses Septett ist genau genommen hundertmal zu gut, um aus Deutschland zu sein. Die im Infoschreiben absolut korrekt als “schneewittchenschön” beschriebene Gesangsstimme von Sängerin Ibadet Ramadani trägt die 13 wundervollen Stücke der zweiten Super-700-Platte “Lovebites” in eine andere Dimension, in der man staunend Fragen stellt: Ist die Miniatur “The Other Side” noch ehrfürchtige Hommage an Blonde Redhead oder schon dreist geklaut? Wie kam es zum himmlischen Schlussteil von “We Will Never Drown”, in dem Ibadet Ramadanis Schwestern Albana und Ilirjana so jenseitig im Background summen, als hätten sie das ganze letzte Jahr mit alten Cocteau-Twins-Platten verbracht? Und dann, in “Spring (The Old Pretender)”, fällt endlich auch der Satz, der das Super-700-Geheimnis zumindest im Ansatz erklären könnte: “Every honey bee is an angel of death.” Jedem sein Alptraum. (8) Jan Wigger

